In erster Linie bin ich Journalistin. Die Wissenschaftlerin kommt erst anschließend, chronologisch und auch sonst. Dabei ist die Trennung zwischen Sozialwissenschaft und Journalismus meiner Ansicht nach ohnehin eher fließend, beiden geht es um die Beobachtung von Welt, von Gesellschaft und um die Beschreibung dieser Beobachtungen, letztlich geht es um Aufklärung.
Das ist ein durchaus politisches Verständnis von Journalismus. Dieses Verständnis habe ich, seit ich 1987 in Berlin für den linksalternativen Sender Radio 100 gearbeitet habe. In den achtziger und frühen neunziger Jahren war ein politisches Verständnis von Journalismus auch beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk noch salonfähig. Es ging nicht darum, irgendetwas mit Medien zu machen, es ging darum, etwas zu sagen, am liebsten etwas mit Aufruhrfaktor. Beim sf-Beat des Sender Freies Berlin, damals
das Jugendmagazin in der geteilten Stadt, galt die Devise: ‚Wenn wir nicht einmal in der Woche vor’m Rundfunkrat sind, haben wir etwas falsch gemacht.’
Mit den politischen Blöcken lösten sich zu Beginn der 90er Jahre scheinbar auch die politischen Ansätze im Jugendfunk auf. Bei Radio 4U ging es uns mehr darum, die Hörer zu unterhalten. Mich trieb es zu dieser Zeit schließlich zurück an die Universität. An der FU habe ich im Rahmen der Berlinforschung das Projekt „Jungendfunk und neue soziale Bewegungen“ organisiert und hier auch promoviert. Das Thema: „Politische Inhalte und mediale Form am Exempel Jugendfunk und neue soziale Bewegungen.“
In der Berliner Medienlandschaft tat sich unterdessen einiges. Das InfoRadio entstand, ein erstes reines Nachrichtenprogramm in der Hauptstadt. Viel Platz für viel Wort, für eine Wort-orientierte Hörfunkjournalistin genau der richtige Ort. Ich habe bei InfoRadio als Redakteurin, Reporterin und Moderatorin gearbeitet. Frühschicht bei InfoRadio, 4:30: Vor der Eingangstür zum InfoRadio standen zwei Haushandwerker des SFB. Sagt der eine „Ick möcht’ mal wissen wer det hört, den janzen Tach det Jequatsche.“
Die Verbindung zwischen Politik und Medien treibt mich immer noch um. An der Hochschule Bremen, an der ich seit 2004 Journalismus lehre, forsche ich wieder zu diesem Themenkomplex. Das aktuelle Forschungsprojekt „Zukunft der Öffentlichkeit – Öffentlichkeit der Zukunft“ fragt danach, wie die neuesten technischen Entwicklungen auf Seiten von Medien und Politik angekommen sind und was die Onlinekommunikation mit der Öffentlichkeit macht.